Schweizer Käseexport nach Indien
Ein Leitfaden für Schweizer Käsereien zur Erschliessung des indischen Marktes
1. Vorhaben und Marktpotenzial
Der indische Käsemarkt bietet für Schweizer Käsereien ein enormes, bisher wenig erschlossenes Potenzial. Mit TEPA.swiss streben wir an, qualitativ hochwertigen Schweizer Käse auf diesem wachsenden Markt zu positionieren.
Der indische Käsemarkt im Wandel
Der indische Käsemarkt wächst rasant. Im Jahr 2025 wurde der Markt auf rund 1.55 Milliarden USD geschätzt und Prognosen gehen von einem jährlichen Wachstum (CAGR) von 19% bis 21% aus. Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt derzeit bei etwa 200 bis 700 Gramm pro Jahr, was im Vergleich zum globalen Durchschnitt von 7 kg ein gewaltiges Aufholpotenzial aufzeigt.
Die Haupttreiber für dieses Wachstum sind:
- Eine wachsende urbane Mittelklasse mit steigender Kaufkraft.
- Die zunehmende Integration von Käse in die indische Küche.
- Ein stark wachsender HoReCa-Sektor (Hotel/Restaurant/Café) in Metropolen wie Delhi, Mumbai und Bangalore.
Die Rolle von TEPA.swiss
TEPA.swiss fungiert als Brückenbauer und Exportpartner für Schweizer Käsereien. Wir bündeln das Exportvolumen, übernehmen die komplexe regulatorische Abwicklung und positionieren Schweizer Käse als Premium-Produkt auf dem indischen Markt. Unser Ziel ist es, ein Portfolio aus traditionellen Schweizer Käsesorten und speziell für den indischen Markt entwickelten Produkten, wie einem vegetarischen Raclette-Käse, aufzubauen.
2. Spezifikationen und Limitationen (FSSAI-Regulationen)
Der Export von Lebensmitteln nach Indien unterliegt den strengen Vorgaben der Food Safety and Standards Authority of India (FSSAI). Für Schweizer Käsereien ergeben sich daraus spezifische Produktions- und Verpackungsanforderungen.
2.1 Zwingende Produktionsanforderungen
Die wichtigste und kritischste Anforderung für den Export nach Indien betrifft das verwendete Labferment. Indien ist ein Land mit einem hohen Anteil an vegetarischer Bevölkerung, weshalb die FSSAI strenge Regeln für tierische Inhaltsstoffe erlassen hat.
Verbot von tierischem Labferment: Gemäss Kapitel 2.1 der FSSAI Dairy Products and Analogues Standards (Version 01.09.2023) MÜSSEN alle Käsesorten mit nicht-tierischen Enzymen hergestellt werden ("suitable enzymes of non-animal origin"). Dies ist eine zwingende Voraussetzung für die Importfreigabe.
Zulässige Alternativen sind:
- Mikrobielles Labferment
- Pflanzliches Labferment
- Gentechnisch hergestelltes Labferment (z.B. Chymosin)
Pasteurisierung
Der Export von Rohmilchkäse nach Indien ist nicht gestattet. Käse muss aus pasteurisierter Milch hergestellt werden. Die FSSAI definiert Pasteurisierung als Erhitzung auf mindestens 63°C für 30 Minuten oder 72°C für 15 Sekunden (oder gleichwertige Verfahren).
2.2 Verpackungs- und Kennzeichnungsanforderungen
Die Verpackung muss den indischen Standards für Lebensmittelkontaktmaterialien (z.B. IS 10146 für Polyethylen) entsprechen und luftdicht versiegelt sein.
Die Kennzeichnung (Labeling) von importierten Lebensmitteln muss zwingend folgende Informationen in englischer Sprache enthalten:
- Name und vollständige Adresse des Importeurs in Indien.
- Deklaration des Herkunftslandes ("Country of Origin").
- Genaue Produktbezeichnung gemäss FSSAI-Kategorien.
- Netto-Gewicht und Chargennummer (Lot-Nummer) zur Rückverfolgbarkeit.
- Vegetarismus-Logo (grüner Punkt in einem grünen Quadrat), da der Käse mit nicht-tierischem Lab hergestellt wurde.
3. Gesuchte Käsesorten und Eigenproduktion
Für unseren Outreach suchen wir Käsereien, die bereit sind, ihre Produktion an die indischen Vorgaben (insbesondere den Verzicht auf tierisches Lab) anzupassen. Die FSSAI hat klare Standards für verschiedene Käsekategorien definiert, in die unsere Schweizer Produkte eingegliedert werden müssen.
Gesuchtes Portfolio
Wir suchen Produzenten für folgende Käsesorten (hergestellt mit mikrobiellem/pflanzlichem Lab und aus pasteurisierter Milch):
| Käsekategorie | Beispiele | FSSAI-Klassifikation |
| Hartkäse | Emmentaler-Stil | Hard ripened cheese |
| Halbhartkäse | Gouda, Tilsiter, Appenzeller | Semi-hard ripened cheese |
| Weichkäse | Camembert, Brie | Soft ripened cheese |
Projekt: TEPA.swiss Raclette für Indien
Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Entwicklung eines eigenen Raclette-Käses für den indischen Markt.
Anforderungen an den TEPA.swiss Raclette-Käse:
- Zutaten: Pasteurisierte Kuhmilch, mikrobielles/pflanzliches Lab, Milchsäurebakterien.
- Eigenschaften: Halbfester, feinschmelzender Käse mit einem Fettgehalt von ca. 28g und Proteingehalt von ca. 26g pro 100g.
- Reifung: Mindestens 3 Monate.
- Ziel: Ein authentisches Schweizer Raclette-Erlebnis, das zu 100% den indischen Vegetarismus-Vorgaben entspricht.
4. Vollständiges Export-Dossier: Was wird benötigt?
Um den Exportprozess reibungslos über das indische Food Import Clearance System (FICS) abzuwickeln, müssen die Käsereien bestimmte Dokumente und Zertifizierungen bereitstellen.
4.1 Betriebliche Voraussetzungen
- Die Käserei muss über eine kantonale Zulassung für den grenzüberschreitenden Handel verfügen.
- Die Käserei muss auf der Liste der zugelassenen Schweizer Betriebe ("Lists of Approved Swiss Establishments") stehen.
4.2 Sendungsbegleitende Dokumente
Für jede Exportlieferung nach Indien müssen folgende Dokumente erstellt werden:
- Certificate of Origin (CoO): Ursprungszeugnis aus der Schweiz.
- Health Certificate (Gesundheitszertifikat): Ein offizielles Zertifikat, das von der zuständigen Schweizer Behörde (Kantonales Laboratorium oder BLV) ausgestellt wird. Es muss alle von der FSSAI geforderten Lebensmittelsicherheitsanforderungen bestätigen.
- Certificate of Analysis (CoA): Ein Analysezertifikat des Herstellers, das die mikrobiologische und chemische Unbedenklichkeit (z.B. Abwesenheit von Listerien, Salmonellen, Pestiziden) bestätigt.
- Handelsdokumente: Detaillierte Commercial Invoice und Packing List.
4.3 Qualitätsmanagement
Die Käserei muss ein funktionierendes Qualitätsmanagementsystem (z.B. HACCP) nachweisen können, um bei möglichen Rückfragen der indischen Behörden (FSSAI) die Lebensmittelsicherheit lückenlos belegen zu können.
Referenzen und Quellen
[1] IMARC Group, "India Cheese Market Size, Share, Trends and Forecast 2034", 2025.
[2] USDA Foreign Agricultural Service, "Cheese Demand Rising - New Market Opportunities India", 2015.
[3] FSSAI, "Chapter 2.1 Dairy Products and Analogues", Version 1, 01.09.2023.
[4] FSSAI, "Food Safety and Standards (Packaging and Labelling) Regulations, 2011", Version IV, 01.06.2022.
[5] Switzerland Cheese Marketing, "Raclette Cheese, it's production and marketing", 2025.
[6] FSSAI, "Food Imports Manual", 2024.
https://fssai.gov.in/upload/uploadfiles/files/Food%20Imports%20Manual.pdf
[7] Switzerland Global Enterprise, "Exporting Swiss Cheese: What You Need to Know", 2020.
https://www.s-ge.com/en/publication/guide/2020-e-food-ct7-swiss-cheese-export
[8] FSSAI, "Order on Requirement of Health Certificate to be accompanied with the import of food consignments", 26.09.2022.
TEPA.swiss | Schweizer Käseexport nach Indien
Dieses Dossier basiert auf verifizierten FSSAI-Regulationen und aktuellen Marktdaten.
Letzte Aktualisierung: April 2026